Kosten & Kalkulation

Was kostet Individualsoftware? Größenordnungen, Preistreiber und warum Festpreis geht

23. August 2026 · 8 Min. Lesezeit · Von Maximilian Schneider
Kalkulation eines Softwareprojekts

Es ist die erste Frage in jedem Erstgespräch, und die ehrlichste Antwort darauf lautet zunächst: Das wissen wir noch nicht. Das klingt nach Ausweichen, ist aber der Kern des Themas – und dieser Beitrag erklärt, warum das so ist und wie man trotzdem zu belastbaren Zahlen kommt.

Vorweg, damit niemand bis zum Ende lesen muss: Größenordnungen nennen wir weiter unten. Nur eben als Spanne, nicht als Preisschild.

Inhalt
  1. Warum die Zahl nicht sofort kommt
  2. Größenordnungen aus der Praxis
  3. Die fünf echten Preistreiber
  4. Warum Festpreis trotzdem geht
  5. Was nach der Fertigstellung kommt
  6. Wo sich sparen lässt – und wo nicht
  7. Angebote vergleichen
  8. Häufige Fragen

Warum die Zahl nicht sofort kommt

Software ist kein Produkt aus dem Regal, sondern die Umsetzung von Anforderungen – und die kennt zu Beginn niemand vollständig. Auch ihr nicht. Das ist kein Vorwurf, sondern normal: Vieles wird erst klar, wenn man es aufschreibt.

Ein Beispiel aus der Praxis. Der Wunsch lautet: „Wir brauchen ein Buchungssystem.“ Klingt eindeutig. Beim Nachfragen kommt heraus: Es gibt Zeitfenster mit unterschiedlicher Kapazität, Gruppenbuchungen brauchen eine Anzahlung, Stammkunden bekommen andere Preise, und die Rechnung soll in die Buchhaltung. Aus einem Satz sind sechs Themen geworden – und der Aufwand hat sich vervielfacht.

Wer trotzdem sofort eine Zahl nennt, macht eines von beidem: Er schätzt großzügig nach oben, damit er sicher ist. Oder er nennt eine attraktive Zahl und rechnet später nach, wenn ihr schon investiert habt. Beides ist kein guter Start.

Der saubere Weg Erstgespräch (kostenlos, klärt ob es passt) → Konzept mit definiertem Umfang (kostet, dauert Tage) → verbindlicher Festpreis auf genau diesen Umfang. Das Konzept ist der Punkt, an dem aus einer Idee eine kalkulierbare Aufgabe wird – und es gehört euch, auch wenn ihr danach mit jemand anderem baut.

Größenordnungen aus der Praxis

Damit die Frage nicht abstrakt bleibt, hier die Spannen, mit denen wir in Gesprächen arbeiten. Sie ersetzen kein Angebot, helfen aber bei der Einordnung, ob ein Vorhaben in euer Budget passt:

ProjektartGrößenordnungDauer
Abgegrenztes Werkzeug
Buchungsportal, Gutscheinsystem, Tablet-App
unterer fünfstelliger BereichWochen
Internes Portal
Team, Rollen, Dokumente, Abläufe
mittlerer fünfstelliger Bereich2–4 Monate
System fürs Kerngeschäft
Warenwirtschaft, Schnittstellen, Migration
deutlich darüberab 6 Monaten
Schnittstelle zwischen Systemen
ERP, Buchhaltung, Shop verbinden
vierstellig bis unteres FünfstelligesWochen

Die letzte Zeile ist die wichtigste. Sehr oft lässt sich das eigentliche Problem – fünf Systeme, die nicht miteinander reden – für einen Bruchteil dessen lösen, was ein Neubau kosten würde. Wenn euch jemand sofort ein großes System verkaufen will, ohne diese Möglichkeit geprüft zu haben, ist Vorsicht angebracht.

Die fünf echten Preistreiber

Was den Preis bestimmt, ist selten die Zahl der Bildschirme. Es sind diese fünf Dinge:

  1. Schnittstellen. Jede Verbindung zu einem fremden System ist ein eigenes Vorhaben – mit fremder Dokumentation, fremden Fehlern und einem Gegenüber, das nicht immer erreichbar ist. Zwei Schnittstellen kosten mehr als doppelt so viel wie eine.
  2. Datenmigration. Altdaten sind nie so sauber wie erinnert. Doppelte Kunden, fehlende Felder, drei Schreibweisen für denselben Ort. Das Aufräumen kostet oft mehr als das Programm, das die Daten später nutzt.
  3. Rollen und Rechte. „Jeder sieht alles“ ist billig. Sobald der Außendienst nur seine Kunden sehen darf, die Buchhaltung nur Zahlen und die Aushilfe nur den heutigen Tag, wird aus einer Funktion eine Struktur, die jede Ansicht betrifft.
  4. Offline-Fähigkeit. Eine App, die immer Netz braucht, ist deutlich einfacher als eine, die im Keller oder auf der Baustelle weiterarbeitet und später abgleicht. Das ist einer der größten Einzelposten überhaupt – und manchmal unverzichtbar.
  5. Sonderfälle. Der Standardablauf ist schnell gebaut. Die Zeit geht für das drauf, was selten passiert: Storno nach Rechnungsstellung, Teilzahlung, nachträgliche Änderung. Genau diese Fälle entscheiden aber, ob das System im Alltag taugt.
Der teuerste Satz im Projekt „Das ist doch nur ein kleines Feld mehr.“ Ein Feld ist selten nur ein Feld: Es will erfasst, geprüft, gespeichert, angezeigt, gesucht, exportiert und in der Schnittstelle berücksichtigt werden. Deshalb gehört in jedes Angebot, was nicht enthalten ist – nicht aus Kleinlichkeit, sondern damit später niemand überrascht ist.

Warum Festpreis trotzdem geht

Wenn der Umfang zu Beginn unklar ist – wie kann dann ein Festpreis funktionieren? Die Antwort: Er wird nicht auf die Idee gegeben, sondern auf das Konzept.

Nach ein bis drei Tagen gemeinsamer Arbeit liegt ein Dokument vor, das beschreibt, was gebaut wird: Abläufe, Rollen, Schnittstellen, was in der ersten Fassung enthalten ist und was ausdrücklich nicht. Darauf lässt sich verbindlich kalkulieren, weil die Unbekannten vorher aufgelöst wurden.

Der zweite Teil ist genauso wichtig: ein ehrlicher Umgang mit Änderungswünschen. Während der Umsetzung fällt beiden Seiten Neues ein. Was in den vereinbarten Umfang passt, fließt ein. Was darüber hinausgeht, wird benannt und getrennt beauftragt – nicht stillschweigend eingebaut und am Ende in Rechnung gestellt.

Was nach der Fertigstellung kommt

Der Posten, der in Kalkulationen am häufigsten fehlt. Software ist kein Gegenstand, der einmal gekauft und dann benutzt wird – sie läuft in einer Umgebung, die sich ändert.

Als Faustregel gelten 15 bis 20 Prozent der Entwicklungskosten pro Jahr. Wer diesen Posten übersieht, erlebt im zweiten Jahr eine unangenehme Überraschung – und dieselbe Rechnung sollte man übrigens auch bei Standardsoftware aufmachen, wo sie in der Lizenzgebühr steckt.

Wo sich sparen lässt – und wo nicht

Sinnvoll sparen:

Falsch gespart:

Angebote vergleichen

Wenn mehrere Angebote vorliegen, ist die Versuchung groß, auf die Endsumme zu schauen. Nützlicher sind diese Fragen:

Woran man ein gutes Angebot erkennt Ein Angebot ohne diese Punkte ist nicht günstiger – es ist unvollständig.

Häufige Fragen

Was kostet Individualsoftware ungefähr?

Ein abgegrenztes Werkzeug – ein Buchungsportal, ein Gutscheinsystem, eine Tablet-App für den Außendienst – liegt erfahrungsgemäß im unteren fünfstelligen Bereich. Ein System, das ein Kerngeschäft vollständig abbildet, mit Warenwirtschaft, Schnittstellen und Datenmigration, liegt deutlich darüber. Eine belastbare Zahl entsteht erst nach dem Konzept, weil vorher niemand den Umfang kennt.

Warum kann man den Preis nicht sofort nennen?

Weil der Preis am Umfang hängt, und der ist zu Beginn beiden Seiten unklar. Wer im Erstgespräch eine feste Zahl nennt, hat entweder pauschal geschätzt oder rechnet später nach. Seriös ist: erst ein Konzept mit definiertem Umfang, dann ein verbindlicher Festpreis darauf.

Was kostet die Wartung nach der Fertigstellung?

Als Faustregel gelten 15 bis 20 Prozent der Entwicklungskosten pro Jahr – für Betrieb, Sicherheitsupdates und kleinere Anpassungen. Wer diesen Posten in der Kalkulation vergisst, erlebt im zweiten Jahr eine unangenehme Überraschung.

Kostet der Konzept-Workshop etwas?

Bei uns ja, er wird nach Aufwand abgerechnet. Das Erstgespräch davor ist kostenlos. Der Grund ist einfach: Im Workshop entsteht echte Arbeit – ein Dokument, mit dem ihr auch zu einem anderen Anbieter gehen könntet. Genau deshalb gehört es euch.

Gibt es Förderungen für Digitalisierungsprojekte?

Bund und Länder legen immer wieder Programme für kleine und mittlere Unternehmen auf, die Beratung oder Digitalisierung bezuschussen. Welche gerade laufen und ob ihr in Frage kommt, klärt man am besten mit der zuständigen Stelle oder der IHK – die Bedingungen ändern sich zu oft, als dass eine feste Aussage hier lange stimmen würde.

Die genannten Größenordnungen sind Erfahrungswerte aus unseren Projekten und ersetzen kein Angebot. Sie sollen helfen einzuschätzen, ob ein Vorhaben ins Budget passt – bevor jemand Zeit in Gespräche investiert, die von vornherein nicht zusammenpassen.

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